Im Rahmen des Seminars entstand Ende 2018 ein Kurzfilm, in dem 13 junge Frauen stereotype Frauenbilder, Sexismus und sexualisierter Gewalt in Fernsehserien und Gesellschaft kritisieren.

Vier Tage lang arbeitet das Team von basa e.V. zusammen mit 30 Auszubildenden zum Thema Sexismus in Serie(n). Gemeinsam analysierten Christian Kirschner, Referent für politische Bildung bei basa e.V., und Natascha Zink, Regisseurin und Filmschaffende, mit den Teilnehmenden Filmsequenzen aus aktuellen Serienformaten. In mehreren Blöcken analysierten sie verschiedene Sequenzen entlang einer eher inhaltlichen und einer eher filmtechnischen Perspektive.

Etwa im Block zum Thema „männlicher Blick“ lag der Fokus der Betrachtung auf der Kameraführung. In der Kerkerszene in Game of Thrones (Staffel 5, Episode 4) etwa blickt die Kamera aus Bronns Perspektive auf den entblößten Körper seiner Gegenspielerin Tyene Sand. Die Kamera folgt dem Blick Bronns – die Zuschauenden nehmen dessen Position ein – und scannt jedes Detail von Tyenes Körper. Die Zuschauenden werden aktiv, sie schauen, sie sind die Akteur*innen, während Tyene als Angeblickte verobjektiviert wird. Das ist der männliche Blick, auch im Deutschen of male gaze genannt. Es ist nicht (ausschließlich) der Blick der Männer, sondern ein gesellschaftlicher Blick auf Frauen, deren Körper und Ausdruck von vergeschlechtlichten Machtverhältnissen. Anhand der Analyse der Game of Throne-Szene erarbeitete sich die Gruppe das Konzept des männlichen Blick und reflektierte aus feministischer Perspektive kritisch das eigene Betrachten und betrachtet werden.

Ähnlich waren auch die anderen Blöcke strukturiert. So lag der Fokus bei der Inszenierung weiblicher Schönheit und männlicher Stärke etwa auf der Betrachtung der Maske, bei Körperlichkeit stärker auf Schnitt und bei der Frage nach Humor auf der Lachbüchse. Gemeinsam diskutierten wir, warum Frauen mit gemachten Haaren und Makeup aufzuwachen, während Männer Fleischwunden davontragen. Wir prüften die Wirkung einer Kamera, die „draufhält“, wie es ist wenn es nicht nur Normkörper zu sehen gibt und fragten, wer in Sitcoms eigentlich warum über wen lacht – und inwiefern das angemessen ist. Viele der ausgewählten Szenen zeichnen sich durch eine tendenziell stereotype oder heteronormative Darstellung aus, in jedem Block gab es aber auch Szenen, die einen alternativen, nicht-heteronormativen Zugang zu Geschlecht anboten. Dabei wurden sowohl beliebte Serien der großen Streamingdienste Netflix, Amazone Prime und HBO ausgewählt, als auch unbekanntere Formate, die über YouTube und Vimeo ihre Verbreitung finden. So konnten anhand von technischen/handwerklichen Fragen der Filmgestaltung und -produktion die gesellschaftspolitische Dimension von Geschlecht und Geschlechterinszenierungen herausgearbeitet werden. Die Veranstaltung zielte auf die Analyse von Körper, Geschlecht und Geschlechterrollen als politische Kategorien ab, die insbesondere in der kulturindustriellen Wiederholung ihre gesellschaftliche Konstitution erfahren.

Insgesamt wurden im Seminar über 30 Sequenzen aus unter anderem folgenden Serien analysiert (Auswahl):

Aus der feministischen Filmanalyse heraus entwickelte die Gruppe einen kurzen Dokumentarfilm. Sie teilten ihre Erkenntnisse mit der Kamera und diskutierten kritisch, welche Konsequenzen die mitunter sexistische Darstellung von Frauen für Gesellschaft und ein gleichberechtigtes Zusammenleben hat. Der hochpolitische Kurzfilm zeigt 13 mutige Frauen, die falsche Schönheitsideale, unangemessene Witze über Frauen und bagatellisierende Darstellungen von sexualisierte Gewalt kritisieren. Film ist nicht nur bewegtes Bild auf der Mattscheibe, sondern ein Abbild von Gesellschaft und Engführung gesellschaftspolitischer Diskurse. Teilnehmenden des Seminars und Macher*innen des Film betrachten ihre Arbeit als eine Form der Intervention, um auf ihre Perspektive aufmerksam zu machen.

Frauen sprechen über Sexismus in Serie(n) von basa e.V. auf Vimeo.

Das Seminar „Sexismus in Serie“ fand vom 17. – 20.12.2018 im Gästehaus Ökologiestation Bergkamen statt. Es wurde gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung. Auch für andere Schulen, Vereine und Einrichtungen bietet basa e.V. das Format auf Anfrage an.

Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung von basa e.V. zur Verfügung gestellt.

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